Nach dem Abitur als Lernhelferin in Angola

Unser "Gemeindekind" Sonja Horsch machte sich nach Ihrem Abitur auf für ein Freiwilligenjahr in Angola. Einen Einblick in ihre exotischen und spannenden Erlebnisse, illustriert mit Fotos und kurzen Filmen, hat sie am Freitag, den 7. Oktober im Gemeindehaus gegeben.

Während der Abiturvorbereitungen kam für Sonja Horsch aus Vilsheim die heiß ersehnte Email aus dem Büro des christlichen Freiwilligendienstes „Coworkers International“. Das Abenteuer konnte beginnen, denn endlich wurde ihr mitgeteilt, wohin es nach dem Abi gehen wird: als Lernhelferin in die Stadt Lubango in der ehemaligen portugiesischen Kolonie Angola! Lubango in Angola? Die 18-Jährige musste erst mal Google Maps bemühen um zu erfahren, wo das genau liegt. Sie besorgte sich einen Portugiesisch-Sprachkurs auf CD, ließ sich die nötigen Impfungen geben und informierte sich über ihr zukünftiges Gastland. Wenige Wochen zuvor selber noch Schülerin, stieg sie nach ihrer Abiturverleihung ins Flugzeug nach Luanda, der Hauptstadt Angolas, um ein Jahr lang Lehrerin zu sein.

Vor drei Monaten kam Sonja Horsch aus Angola zurück - im Gepäck nicht nur angolanische Souvenirs, sondern vor allem im Herzen neue Freundschaften und prägende Eindrücke von einem so ganz anderen Land, und im Kopf um eine Fremdsprache reicher, denn dank  ihrer intensiven Kontakte mit angolanischen Jugendlichen spricht sie nun portugiesisch.

Sonja Horsch unterrichtete die vier Kinder einer deutsch-portugiesischen Missionarsfamilie in der boomenden angolanischen Großstadt Lubango. Ausgestattet mit gutem Lehrmaterial der Deutschen Fernschule paukte sie von morgens bis früh nachmittags geduldig mit den vier Kindern im Alter von 5 bis 10 Jahren nach deutschem Lehrplan. Nachdem sie dann die Lektionen für den nächsten Tag vorbereitet hatte, schlüpfte sie am Compound-Wächter vorbei durchs Tor hinaus, um mit einem der blauen Klapperbusse über die Schlaglochpisten ins pulsierende Großstadtleben Lubangos einzutauchen. Meist ging‘s zum Kirchengelände der evangelischen Gemeinde in der Innenstadt. Dort traf sie sich  mit angolanischen Jugendlichen zu Chorproben, denn Singen ist in Afrika ein viel praktizierter Ausdruck von Lebensfreude. Ein einwöchiges Ferien-Event für Kinder, wo sie mit 16 Personen in einem kleinen Raum schlafen musste, ließ sie so richtig eintauchen in Kultur und Sprache. So freundete sich die "Branca" (portugiesisch für „Weiße“) nach und nach mit vielen angolanischen Gleichaltrigen an, die es erstaunlich fanden, dass die "Kazule" - in der Bantusprache „Umbundu“ das Wort für "Nesthäkchen" - ganz allein in ein fremdes Land zieht.

Ihre Gastfamilie nahm sie zudem mit zu verschiedenen Dienstfahrten in Krankenhäuser, Reha-Zentren und  Kirchengemeinden im afrikanischen Busch, wo man ohne Strom und fließendes Wasser mit Ziegen und Hühnern unter einem Dach lebt und sich noch in den alten Stammes-sprachen unterhält. Mit Fernbussen bereiste die  Abiturientin andere Städte Angolas und war einesteils fasziniert von der beeindruckenden Landschaft und der Lebensfreude der  Menschen,  die in dem bürgerkriegsgeschüttelten armen Land wahre Überlebenskünstler sind, aber auch schockiert von den Spuren, die der 40jährige grausame Bürgerkrieg, ein Stellvertreterkrieg der beiden Machtblöcke Russlands und Amerikas, hinterließ.